Erhöhte Blutzuckerwerte sind ein Massenphänomen der heutigen Gesellschaft. Zwischen den normalen Blutzuckerwerten und dem Wert, ab dem von einem Diabetes gesprochen wird, liegt ein Graubereich. Dieser wird als Prädiabetes bezeichnet. (1)
Auffällige Blutzuckerwerte sollten immer ernst genommen werden. Natürlich kann es auch ganz einfache und unbedenkliche Ursachen haben. Dennoch ahnen viele nichts von dem Risiko, was dies mit sich bringen kann.
Ein Nüchternblutzucker von 100 mg/dl – 125 mg/dl (5,6 – 6,9 mmol/l) kann ein Hinweis auf eine Prädiabetes sein. (2) In der modernen Diagnostik wird zudem der HbA1c-Wert (das „Blutzuckergedächtnis“) herangezogen: Ein Wert zwischen 5,7 % und 6,4 % gilt ebenfalls als Kriterium für diese Vorstufe. (3)
Oftmals wird eine Prädiabetes nur durch Zufall erkannt, da es symptomlos sein kann. Doch unterschätzt werden darf es trotzdem nicht. Da es auch hier schon zu gesundheitlichen Folgen kommen kann und das Risiko für eine Diabetes Erkrankung vorliegt.
Erhöhte Blutzuckerwerte: Ursachen und Symptome, darum geht es in unserem folgenden Artikel.
Was genau ist der Blutzuckerwert?
Glukose liefert wichtige Energie für verschiedenste Prozesse im menschlichen Körper. Glukose stammt zumeist aus der Nahrung, die aufgenommen wird. Enthaltene Kohlenhydrate werden dabei in Glukose umgewandelt. Der Anteil von Glukose im Blut gibt Aufschluss über den sogenannten Blutzucker.
Ein wichtiger Faktor im Zusammenhang mit einer Diabetes Erkrankung. Ist der Blutzuckerwert zu hoch oder zu niedrig, kann dies Folgen haben. Die Konzentration von Glukose im Blut wird in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder Millimol pro Liter (mmol/l) angegeben. In Deutschland ist die erster Angabe gebräuchlich.
Weniger als 70 mg/dl gilt dabei als Unterzuckerung. Ein Wert über 140 mg/dl (7,8 mmol/l) deutet hingegen auf eine Überzuckerung bzw. einen hohen Blutzuckerwert hin.
Wenn der Blutzucker erhöht ist!
Ein konstanter Blutzuckerspiegel ist essenziell. Nach dem Essen steigt der Blutzuckerwert gewöhnlich nicht über 140 mg/dl (7,8 mmol/l). Die Regulierung übernimmt das Hormon Insulin. Dieses wird von der Bauchspeicheldrüse produziert und hilft den Zellen die Glukose aus dem Blut aufzunehmen.
Ist der Blutzucker jedoch erhöht, kann dies verschiedene Ursachen haben:
- Es wurden zu viel Zucker und Kohlenhydrate mit der Nahrung aufgenommen.
- Erkrankungen oder Stresshormone können ebenfalls den Blutzuckerspiegel erhöhen. Denn hierbei wird mehr Glukose freigesetzt, um den zusätzlichen Energiebedarf zu decken.
- Bei einer sogenannten Insulinresistenz (Typ-2-Diabetes), reagieren die Zellen nicht entsprechend auf das Hormon Insulin. Infolgedessen verbleibt die Glukose im Blut.
- Bei Typ-1-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse wenig oder gar kein Insulin. Ohne Insulin kann die Glukose nicht in die Zellen gelangen und sammelt sich ebenfalls im Blut.
Das Resultat ist hierbei immer gleich, ein erhöhter Blutzucker (sogenannte Hyperglykämie). Dies kann weitreichende Folgen für die Gesundheit haben. Zunächst sind Symptome wie verstärktes Durstgefühl, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, oder auch verschwommenes Sehen und Kopfschmerzen möglich. Langfristig sind Schädigungen von Blutgefäßen, Nerven oder auch Fußprobleme möglich.
Man unterscheidet zwischen der Mikroangiopathie (Schäden an kleinen Gefäßen, z. B. in Augen oder Nieren) und der Makroangiopathie (Schäden an großen Gefäßen, was das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht). (4)
Blutzuckerentgleisung bei Diabetikern.
Bei Menschen mit Diabetes kann es zu Entgleisungen in zwei Richtungen kommen, entweder eine Unterzuckerung oder eine Überzuckerung.
Bei einer Unterzuckerung können:
- blutzuckersenkende Tabletten,
- zu geringe Nahrungsaufnahme,
- erhöhte körperliche Aktivität
- oder falsche Insulingaben
die Ursache sein. Typische Anzeichen wie Schwitzen, Zittern oder Herzklopfen können dabei auftreten. Hier gilt es zu reagieren, um schlimmere Folgen zu vermeiden. Bei einem schlecht eingestellten Diabetes mellitus Typ 1 kann es ebenso zu Unterzuckerungen kommen, hier kann eine Aufnahme von Kohlenhydraten (z.B. Traubenzucker) helfen.
Im Anschluss ist immer die Messung des Blutzuckers wichtig. So kann sichergestellt werden, ob der Körper wieder voll funktionsfähig ist oder ob noch ein erhöhtes Risiko für Folgeerscheinungen vorliegt.
Dies gilt ebenso nach einer Überzuckerung. Egal, ob Unter- oder Überzuckerung, treten Symptome häufiger auf, sollte dies unbedingt mit einer Ärztin bzw. einem Arzt abgeklärt werden.
Fazit:
Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker sollte ernst genommen werden – auch dann, wenn noch kein Diabetes vorliegt. Bereits im Bereich „Prädiabetes“ können Gefäße und Nerven langfristig Schaden nehmen, und das Risiko für Typ-2-Diabetes steigt deutlich. Regelmäßige Messungen des Nüchternzuckers und des HbA1c-Wertes helfen, Risiken rechtzeitig zu erkennen und Folgeschäden zu vermeiden.
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Weiterführende Quellen:
(1) Informationen zum Risiko und der Definition von Prädiabetes finden Sie beim Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ).
(2) Die Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) bietet wissenschaftliche Leitlinien und Praxisempfehlungen zur Diagnose und Therapie von Diabetes und dessen Vorstufen.
(3) Details zu den Diagnosewerten (HbA1c und Nüchternblutzucker) sind bei diabinfo.de aufgeführt.
(4) Erklärungen zu den Gefäßfolgeschäden (Mikro- und Makroangiopathie) finden sich u.a. auf dem Portal Diabetes-News.
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Prof. Dr. Jörg Breitenbach entwicklete als Experte wegweisende Produkte im Bereich der Infektionskrankheiten und Neurowissenschaften. Dabei verbindet er jahrzehntelange Erfahrung in internationaler Forschung mit unternehmerischer Innovation.
Als Auszeichnung seiner Leistungen wurde er im Jahr 2020 als Fellow in das American Institute for Medical and Biological Engineering (AIMBE) aufgenommen.
Neben seiner Rolle als Autor von Fachpublikationen, ist er zudem aktives Mitglied renommierter Gremien.
- Prof. Dr. Breitenbach Jörg
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